Abstand nicht eingehalten? Tipps vom Anwalt

Abstand nicht eingehalten

Abstand nicht eingehalten

Wer nicht den richtigen Abstand eingehalten hat, kann schnell unangenehme Post von der Bußgeldbehörde bekommen. Wir erklären den Abstandsverstoß, dessen Folgen und Auswege.

Abstand nicht eingehalten: Welche Folgen drohen?

Der Abstandsverstoß ist ein häufiger Grund für Unfälle auf Autobahnen und wird deshalb zunehmend verfolgt. Haben Sie nicht den richtigen Abstand eingehalten, richten sich die möglichen Sanktionen nach dem Bußgeldkatalog. Dieser sieht abhängig vom Ausmaß des Abstandsverstoßes ein Bußgeld zwischen 25,00 € und 400,00 € vor, die Eintragung von 1 bis 2 Punkten im Flensburger Register und ggf. die Verhängung eines Fahrverbotes von 1 bis 3 Monaten vor. Hierbei kommt es zum einen darauf an, ob bei einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h oder über 80 km/h der Abstand nicht eingehalten wurde und wieviel Meter der Abstand nicht eingehalten wurde. Eine genaue Übersicht finden Sie auf der Seite des Bundesverkehrsministeriums.

Wie groß muss der richtige Abstand sein?

§ 4 Abs. 1 StVO bestimmt, „…dass der Abstand von einem vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß sein muss, dass auch dann hinter ihm gehalten werden kann, wenn plötzlich gebremst wird.“ Eine konkrete Regelung, wieviel Meter der Abstand sein soll findet sich aber nicht. Lediglich bei Lastkraftwagen über 3,5 t oder Omnibussen ist bestimmt, dass bei einer höheren Geschwindigkeit als 50 km/h auf der Autobahn ein Mindestabstand von 50 m einzuhalten ist. In der Praxis wird der erforderliche Sicherheitsabstand beim PKW mit der Faustformel: „Abstand gleich halber Tacho“ gebildet. Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h sind also 40 Meter Abstand zu halten. Zur Schätzung der Entfernung können die Leitpfosten am Fahrbahnrand der Autobahn dienen, die in der Regel jeweils 50 Meter auseinanderstehen.

Abstand nicht eingehalten: Wie wird der Verstoß nachgewiesen?

Zum Nachweis des Abstandsverstoßes werden in der Praxis verschiedene Messverfahren angewandt:

  • das Brückenabstandsmessverfahren (Beobachtung durch Polizeibeamte oder Lichtbild)
  • das Video-Abstand-Messverfahren (Videoaufzeichnung von einer Brücke)
  • die Messung mit dem Police-Pilot-System (Messung aus einem Polizeifahrzeug mittels Video)
  • die Messung durch Polizeibeamte ohne technische Geräte (fehleranfällige Schätzung durch Polizeibeamte mittels Nachfahren oder Vorausfahren)

Wie sollten Sie sich verhalten, wenn Sie den Abstand nicht eingehalten haben und beobachtet wurden?

Es gilt das gleiche wie beim Geschwindigkeitsverstoß und Rotlichtverstoß: Machen Sie keine Angaben zu Sache, wenn Sie den Abstand nicht eingehalten haben und angehalten werden. Geben Sie nur Auskunft zur Person. Ansonsten:

Schweigen Sie!

Auch nach Zusendung des Anhörungsbogens oder Bußgeldbescheides äußern Sie sich nicht. Legen Sie unmittelbar nach Zusendung eines Bußgeldbescheides Einspruch ein und lassen sich sachkundig beraten.

Was kann der Verkehrsrechtsanwalt für Sie tun, wenn Sie den Abstand nicht eingehalten haben?

Dieser wird prüfen, ob Sie tatsächlich den notwendigen Abstand nicht eingehalten haben oder dies nicht nachzuweisen ist. Hierfür ergeben sich mehrere Möglichkeiten:

  • Der Anhörungsbogen oder der Bußgeldbescheid hat formale Mängel. Dies ist der Fall, wenn dieser hinsichtlich Tatzeit, Tatort oder der vorgeworfenen Ordnungswidrigkeit ungenau ist. Dies kann zur Verjährung führen (grundsätzlich 3 Monate nach der Tat)
  • Der Fahrer ist auf dem Lichtbild oder Video nicht eindeutig zu erkennen.
  • Der erforderliche Sicherheitsabstand wurde nur vorübergehend auf geringer Strecke unterschritten (weniger als 140 Meter laut OLG Hamm).
  • Der erforderliche Sicherheitsabstand wurde zeitlich nur vorübergehend unterschritten (weniger als 3 Sekunden laut OLG Hamm).
  • Das Messgerät hatte Mängel oder wurde nicht entsprechend der Bedienungsanleitung angewendet. Zum Nachweis kann ein Sachverständigengutachten notwendig sein.
  • Der Sicherheitsabschlag ist bezogen auf das Messgerät nicht ausreichend.
  • Das Messpersonal war nicht ausreichend geschult.
  • Besonders fehleranfällig ist die Abstandsmessung ohne technische Geräte durch bloße Schätzung der Polizeibeamten, wegen eingeschränkter Sicht des Polizisten (eingeschränktes Blickfeld, Witterungsverhältnissen etc.), nicht ausreichender Strecke oder Zeit, eigenem schwankenden Abstand zum gemessenen Fahrzeug usw.

Fazit: diverse Ansatzpunkte können dazu führen, dass der Abstandsverstoß „gekippt“ werden kann.

Wann kann ein verhängtes Fahrverbot umgangen werden?

Insbesondere bei einer besonderen Härte, die bei einer Gefährdung der beruflichen Existenz (Berufstätiger ist auf das Fahrzeug dringend angewiesen) vorliegt, ergeben sich obwohl Sie den Abstand nicht eingehalten haben Möglichkeiten gegen eine Erhöhung des Bußgeldes das Fahrverbot zu umgehen. Die Chancen sind besonders hoch, wenn keine wesentlichen Voreintragungen im Flensburger Register („Punkte“) vorliegen und das Fahrverbot nicht bereits einmal umgewandelt wurde. Wenn dies gewollt ist, kann das Verfahren auch verzögert werden, um eine Ableistung des Fahrverbotes in der Urlaubszeit zu gewährleisten.

Thomas Erven
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht
in Köln

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