Schadensregulierung nach Unfall – Tipps vom Anwalt

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Schadensregulierung nach Unfall

Wer unverschuldet in einen Unfall verwickelt wird, kann von der gegnerischen KFZ-Haftpflichtversicherung eine Schadensregulierung nach Unfall fordern. In den wenigsten Fällen zahlt die gegnerische Versicherung nach einem Unfall gar nicht. Meistens wird um einzelne Schadenspositionen und die Höhe des Schadens gestritten. Nicht selten muss der Geschädigte seine Ansprüche dann im Wege eines Schadensersatzprozesses geltend machen. Wir wollen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Punkte der Schadensregulierung nach Unfall gewähren.

Wie verläuft die Schadensregulierung nach Unfall?

  • Die Schadensregulierung beginnt bereits am Unfallort mit dem Austausch der Kontaktdaten und der Beweissicherung. Hierfür bieten sich in erster Linie Fotos an, auch Zeugenaussagen sind hilfreich. Lassen Sie sich für eine Schadensregulierung die Daten der gegnerischen Haftpflichtversicherung geben. Diese wird bei der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen Ihr Anspruchsgegner sein.
  • Sodann sollte der Unfall bei der eigenen KFZ-Haftpflichtversicherung gemeldet werden. Dafür haben Sie bei den meisten Versicherungen eine Woche Zeit. Das gilt ebenso für die Meldung des Unfalls bei der Vollkasko, falls der Unfall selbstverschuldet ist.
  • Für eine erfolgreiche Schadensregulierung muss der Schaden beziffert werden. Es ist eine Schadensregulierung nach Kostenvoranschlag oder eine Schadensregulierung nach Gutachten möglich (dazu unten mehr).
  • Ihr Anwalt wird sich mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung in Verbindung setzen, um ihre Schadensersatzansprüche adäquat durchzusetzen.
  • Gehen Sie nicht selbst auf Angebote der Schadensregulierung durch die Versicherung ein bei denen Ihnen von dort ein Gutachter oder die Werkstatt gestellt wird.

Die Versicherung verfolgt andere Interessen als Sie! Aus der Sicht der Versicherung geht es in erster Linie um die Zahlung einen möglichst geringen Summe. Hierzu wird auch oft die Dauer der Schadensregulierung durch die Versicherung verzögert. Seien Sie kritisch, wenn die Versicherung Sie nach einem Unfall anschreibt und Ihnen die Schadensregulierung aus den Händen nehmen will!

Welche Schäden sind nach einem Unfall zu ersetzen?

Für das beschädigte Fahrzeug können entweder die Reparaturkosten eingefordert werden oder – bei einem Totalschaden des Kfz – die Anschaffungskosten für ein gleichwertiges Fahrzeug.
Daneben können eine ganze Reihe von anderen Schadenspositionen in Betracht kommen: Dazu gehören unter anderem Schmerzensgeld, Anwalts- und Sachverständigenkosten, Nutzungsausfall  (mehr zum Thema Nutzungsausfall: hier) und Erstattung des merkantilen Minderwerts. Oft werden einzelne Schadenspositionen von der Versicherung verweigert oder gekürzt. Es ist daher ratsam direkt nach einem Unfall einen Anwalt zur Durchsetzung der eigenen Interessen zu beauftragen. Das Honorar des Anwalts muss bei einem fremdverschuldeten Unfall die gegnerische Versicherung tragen. Eine Rechtsschutzversicherung erweist sich im Streitfall vor Gericht als hilfreich.

Schadensregulierung nach Kostenvoranschlag oder Gutachten?

Ein Kostenvoranschlag ist im Vergleich zum Sachverständigengutachten günstiger und bietet sich mit zusätzlichen Fotos der Schäden zur Bezifferung von geringen Schäden an. Aufschlussreicher ist das Sachverständigengutachten, das gegenüber dem Kostenvoranschlag eine präzisere und detailliertere Schadensbezifferung bietet. Ein Gutachten empfiehlt sich immer dann, wenn es um mehr als Bagatellschäden geht.

Fällt die Wahl auf ein Gutachten, sollte folgendes bedacht werden: Von der gegnerischen Haftpflichtversicherung gestellte Gutachter arbeiten mit der Versicherung zusammen. Dementsprechend fällt das Gutachten im Sinne der gegnerischen Versicherung aus. Die Schadensbezifferung ist dann in aller Regel niedriger als bei einem unabhängigen Gutachter. Wählen Sie daher ihren eigenen Gutachter aus.

Für die Erstattung der Gutachterkosten durch die Versicherung ist zu beachten, dass diese nicht bei Bagatellschäden übernommen werden. Ein Bagatellschaden liegt unterhalb von 800,00 € vor.

Was ist eine „fiktive Abrechnung“?

Im Rahmen der Unfallschadensregulierung nach Unfall taucht häufig der Begriff der „fiktiven Abrechnung“ auf. Damit ist gemeint, dass nicht der tatsächliche, sondern der potenzielle Schaden am Fahrzeug abgerechnet wird, § 249 Abs. 2 BGB. Der Geschädigte muss also nicht notwendig sein Fahrzeug reparieren lassen. Er kann auch eine Schadensregulierung nach Kostenvoranschlag oder Gutachten vornehmen, indem er den dort angesetzten Betrag verlangt und überhaupt nicht oder billiger reparieren lässt. Voraussetzt wird allerdings, dass der Schaden im Kostenvoranschlag oder Gutachten bereits genau beziffert ist.
Der Geschädigte kann sich also von der Versicherung die Kosten erstatten lassen, die theoretisch für eine Reparaturkosten angefallen wären (fiktive Abrechnung). Ob eine fiktive Abrechnung bei Schadensregulierung nach Unfall wirtschaftlich Sinn macht, ist im Einzelfall zu entscheiden.

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht in Köln

Marta Otreba, Studentin der Rechtswissenschaften an der Universität Köln

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