Was ist die Strafe nach Fahrerflucht? – Tipps vom Anwalt

Was ist  die Strafe nach Fahrerflucht im Straßenverkehr? Ein kleiner Parkrempler kann erhebliche Folgen haben. Wir erklären was bei einem Strafverfahren droht und was zu tun ist.

Strafe nach Fahrerflucht

Strafe nach Fahrerflucht

Was ist die Strafe nach Fahrerflucht?

Eine Verurteilung wegen Fahrerflucht bedeutet die Verhängung einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe.

In der Regel erfolgt beim bis dato unbescholtenen Ersttäter und einem Fremdschaden von 1.200 € bis 2.500 € eine Verurteilung zu einer Geldstrafe in Höhe von 20-40 Tagessätzen (30 Tagessätze entsprechen einem Nettomonatsgehalt).

Außerdem drohen Punkte im Flensburger Zentralregister: zwei Punkte werden bei einem gleichzeitig verhängten Fahrverbot und drei Punkte bei einem Entzug der Fahrerlaubnis eingetragen. Schließlich können sich Regressforderungen der KfZ-Haftpflichtversicherung anschließen.

Was ist der Unterschied zwischen Fahrverbot und Entziehung der Fahrerlaubnis?

  • Das Fahrverbot (§ 44 StGB) ist auf 1-3 Monate begrenzt. Für diese Dauer wird dem Betroffenen untersagt, mit einem Kraftfahrzeug am Straßenverkehr teilzunehmen. Der Führerschein befindet sich in amtlicher Verwahrung und wird nach Ablauf des Fahrverbots wieder ausgehändigt. Der Betroffene muss hierfür keinen gesonderten Antrag stellen.
  • Die Entziehung der Fahrerlaubnis wirkt dagegen dauerhafter. Die Sperrfrist beträgt mindestens sechs Monate und höchstens fünf Jahre (§ 69 a StGB). Erst nach Ablauf dieser Sperrfrist kann eine Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragt werden. Der Führerschein muss in der Regel nicht neu gemacht werden. Der Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis kann aber (eher selten) mit einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) verbunden werden. Dies ist wiederum mit weiteren Kosten verbunden (mehr zum Thema MPU: hier). Die Entziehung der Fahrerlaubnis ist für den Betroffenen wegen der längeren zeitlichen Dauer deutlich unangenehmer als ein Fahrverbot.

Fahrerflucht = Führerschein weg?

Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt („Fahrerflucht“) legt nach der gesetzlichen Vermutung nahe, dass er zum Führen eines Kraftfahrzeugs ungeeignet ist (§ 69 StGB).

Voraussetzungen:

  • Bei Personenschäden droht regelmäßig ein Entzug der Fahrerlaubnis. Ausnahmen bestehen dann, wenn es sich um unerhebliche Verletzungen wie Schürfwunden handelt.
  • Bei Sachschäden ab einer Höhe von ca. 1.300 € droht ebenfalls der Entzug der Fahrerlaubnis.

Die Fahrerflucht liefert eine Vermutung für die Ungeeignetheit zum Führen eines Kraftfahrzeugs. Sie führt aber trotzdem nicht in jedem Fall zum Fahrverbot oder Entzug der Fahrerlaubnis. Selbst wenn ein erheblicher Sachschaden oder Personenschaden vorliegt, kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an.

Kriterien für die Strafe nach Fahrerflucht:

  • Dem Unfallflüchtigen kann es zu Gute kommen, wenn er sich selbst bei der Polizei gemeldet hat.
  • Eine Wiedergutmachung des Schadens kann sich positiv auswirken.
  • Ein Entzug der Fahrerlaubnis kann auch abgewendet werden, wenn der Sachschaden durch den Unfallgegner zu hoch beziffert wurde und sich unterhalb von 1.300 € befindet.

Derartige Argumentationen im Ermittlungsverfahren überzeugend vorzutragen ist Aufgabe Ihres Verteidigers. Konnte der Verteidiger erfolgreich den Entzug der Fahrerlaubnis verhindern, kann immer noch ein Fahrverbot drohen. Doch auch dies ist nicht zwingend. Das Fahrverbot muss nämlich vom Gericht besonders begründet werden.

Rat des Anwalts

Gerade wenn ein Fahrverbot oder der Entzug des Führerscheins droht, sollten Sie rechtzeitig einen Fachanwalt für Verkehrsrecht zu Rate ziehen.

Eine effektive Verteidigung kann den gefürchteten Entzug der Fahrerlaubnis oder die Verhängung eines Fahrverbots verhindern. Außerdem kann eine hohe Geldstrafe verhindert werden. Oft gelingt auch eine Einstellung gegen Geldauflage (§ 153 a StPO) noch im Ermittlungsverfahren.

Thomas Erven, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht in Köln

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